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Allgemein

Subtiles Versteckspiel des Modelabels Sportalm
DuPont Corian in einer wabenartigen Außenfassade
Baar-Baarenfels Architekten, Wien

16.02.2010 18:16:21 -

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Riesige Glasfronten mit gut in Szene gesetzten Konsumgütern - so kennt man es: das Schaufenster. Was passiert also, wenn Passanten an einer Ladenfassade mit einer Wabenstruktur vorbeigehen, die nur teilweise den Blick auf die neueste Kollektion freigibt? Sie sind neugierig. Bleiben stehen. Schauen durch die offenen Waben. Berühren, ganz nebenbei und unauffällig, die geschlossenen Felder, um das Material dieser Konstruktion zu ertasten. Und dann zieht es sie hinein. Willkommen im Geschäft des Labels Sportalm in der Wiener City!

Das Architekturbüro Baar-Baarenfels aus Wien erhielt von der Kitzbühler Firma Sportalm die Aufgabe, ein Corporate Design zu entwickeln, das Tradition und internationalen Anspruch widerspiegelt sowie die drei unterschiedlichen Modelinien attraktiv präsentieren soll: Tracht, Skibekleidung und Sportswear. Im Inneren der Geschäfte entschieden sich die Planer deshalb für die Farbe Weiß und setzten auf ein sehr reduziertes Design - 'denn unsere Mode braucht wenig Inszenierung und spricht für sich', so Sportalm-Chefin Ulli Ehrlich. Von außen wagten die Architekten für die Wiener Dependance in der Brandstätte und für einen weiteren Shop in Düsseldorf das Ungewöhnliche: Hinter der Wabenstruktur aus DuPont Corian verschwindet die Mode wie eine Kostbarkeit. Es ist ein psychologisches Spiel mit dem Konsumenten, den dieses Konzept überrascht und der somit eine emotionale, nachhaltige Verbindung zur Marke aufbaut.

Die 5 Meter hohe Fassade besteht aus einer 8 Meter breiten wabenförmigen Stahlstruktur, die sich aus abwechselnd großen und kleinen Feldern zusammensetzt, sowie einer 4 Meter breiten Glasfläche. Für die Verschalung des netzartigen Flächentragwerks musste ein Material gefunden werden, das sich flexibel und optisch nahtlos verarbeiten lässt und frostbeständig ist. Corian erfüllte neben diesen Vorraussetzungen auch haptische Anforderungen, denn dass die Struktur fast zwangsläufig auch berührt wird, wurde in die Überlegungen miteinbezogen. Und nicht zuletzt können eventuelle Verschmutzungen oder Beschädigungen im Corian z.B. durch Graffitis leicht repariert werden.

Corian überdeckt die Edelstahlkonstruktion homogen und schließt Waben, die als punktuelle Verstärkung zur Ableitung der Windlast dienen. Wo rund 15 Felder nebeneinander verschlossen wurden, ist der Sportalm-Schriftzug von außen in das Corian gefräst. Diese Stelle wird abends hinterleuchtet, so dass der Name bei Dunkelheit in den Vordergrund tritt. Die Waben, die den Blick ins Innere freigeben sollen, wurden mit Glas geschlossen. Daraus ergibt sich ein faszinierender Effekt: Sonnenlicht spiegelt sich von den Glasflächen auf den Bordstein und lässt ihn wie ein Fenster mit Eisblumen funkeln.

Natürlich war dieses Konzept in der historischen Innenstadt Wiens nicht unumstritten. Eine moderne Fassade mit einer gewissen optischen Dominanz, die gleichzeitig das Schaufenster untypischerweise verdeckt. Architekt Johannes Baar-Baarenfels: 'Unser ästhetischer Entwurf überzeugte letztlich auch kritische Stimmen. Er sorgt für eine Weiterentwicklung des Stadtbildes, in dem Werbeflächen und Neonschriften mehr und mehr den öffentlichen Raum dominieren.' Ungewohnt, ungewöhnlich und unglaublich spannend - ein Markenerlebnis der besonderen Art.



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